Hat mein Pferd Schmerzen? Die übersehenen Zeichen, die Dein Pferd Dir jeden Tag zeigt
- Sanja Panea

- 15. Aug.
- 3 Min. Lesezeit

„Der will nur nicht.“ – Wie oft hast Du diesen Satz am Stall gehört? Das Pferd läuft nicht vorwärts, wehrt sich beim Satteln, schlägt mit dem Schweif. Und die schnelle Erklärung ist immer dieselbe: stur, frech, dominant. Doch bevor wir über Erziehung sprechen, müssen wir eine unbequeme Frage stellen: Was, wenn Dein Pferd nicht nicht will – sondern nicht kann?
Warum Pferde Schmerzen verstecken
Pferde sind Fluchttiere. In der freien Natur ist ein Pferd, das sichtbar Schmerzen zeigt, ein leichtes Ziel – deshalb haben Pferde über Jahrmillionen gelernt, Unwohlsein so lange wie möglich zu überspielen. Dein Pferd wird Dir also selten deutlich zeigen, dass etwas wehtut. Es zeigt es leise: in kleinen Veränderungen seiner Mimik, seiner Körperhaltung und seines Verhaltens. Genau diese leisen Zeichen übersehen wir am häufigsten – nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil uns nie jemand beigebracht hat, sie zu lesen.
Die übersehenen Zeichen – vom Kopf bis zur Bewegung
Am Kopf: Achte auf das Auge – ein angespanntes, „dreieckiges“ Auge mit sichtbaren Sorgenfalten darüber ist eines der frühesten Zeichen. Dazu gehören Ohren, die überwiegend nach hinten gerichtet sind, ein fest verschlossenes oder ständig arbeitendes Maul und Zähneknirschen.
Am Körper: Wiederholtes Schweifschlagen ohne Fliegen, Abwehr beim Putzen oder Satteln an immer derselben Stelle, eine dauerhaft angespannte Ober- oder Unterlinie, häufiges Kopfschlagen.
In der Bewegung: Taktfehler, die kommen und gehen. Ein Pferd, das plötzlich nicht mehr gern bergab läuft, enge Wendungen vermeidet oder beim Angaloppieren immer wieder „falsch“ anspringt. Auch das berühmte „Er ist heute einfach nicht bei der Sache“ ist oft keine Konzentrationsfrage.
Ein Zeichen heißt wenig – die Häufung zählt
Wichtig, bevor Du jetzt in Sorge gerätst: Jedes einzelne dieser Zeichen kann harmlos sein. Zwei bis drei davon zeigt fast jedes Pferd irgendwann im Alltag. Entscheidend ist die Häufung: Die Verhaltensforschung – allen voran die Arbeiten der britischen Tierärztin Dr. Sue Dyson – zeigt, dass Pferde, die viele dieser Zeichen gleichzeitig und wiederholt zeigen, mit hoher Wahrscheinlichkeit Schmerzen haben. Als grobe Faustregel: Ab etwa acht Zeichen, die regelmäßig auftreten, solltest Du nicht mehr an Erziehung denken, sondern an Ursachenforschung.
Was Du jetzt konkret tun kannst
1. Beobachte zwei Wochen lang – und schreib es auf. Unser Gedächtnis trügt: Wir vergessen, wie oft das Schweifschlagen wirklich vorkam, und ob es vor oder nach dem Satteln begann. Notiere Dir täglich kurz, was Du siehst, wann und in welcher Situation. Nach zwei Wochen hast Du ein Bild statt eines Bauchgefühls.
2. Geh die Ausschluss-Reihenfolge mit Fachleuten durch. Wenn sich die Zeichen häufen, prüfe systematisch mit Tierarzt und Fachleuten: erst die Zähne, dann den Sattel, dann die Hufe, dann den Rücken. In dieser Reihenfolge – so übersiehst Du nichts und zahlst nicht doppelt.
3. Nimm das Verhalten ernst, statt es wegzutrainieren. Ein Pferd, das Schmerz zeigt und dafür korrigiert wird, lernt nur eines: die Zeichen noch besser zu verstecken. Dann wird aus einem lösbaren Problem ein stilles – und irgendwann ein großes.
Dein Pferd spricht die ganze Zeit mit Dir
Schmerz ist nur ein Kapitel der nonverbalen Kommunikation Deines Pferdes – aber es ist das Kapitel, das Du zuerst lesen können solltest. Denn jede Frage nach Führung, Vertrauen und Zusammenarbeit beginnt damit, dass es Deinem Pferd gut geht.
Wenn Du tiefer einsteigen willst: In meinem neuen Buch „Wer bewegt wen und warum? – Was Dein Pferd über Dich weiß, bevor Du es berührst“ widme ich der Sprache Deines Pferdes – und der Frage, was es Dir damit sagen will – einen großen Teil der 228 Seiten. Das Hardcover gibt es aktuell zum Einführungspreis von 27,99 € statt 34,99 €, mit Gratisversand: Hier geht es zum Buch.
Und im exklusiven Workbook zum Buch findest Du die komplette Schmerz-Zeichen-Checkliste zum Ankreuzen – mit allen Zeichen an Kopf, Körper und Bewegung, dem Ausschluss-Check und einem Verlaufsprotokoll für Deine zwei Beobachtungswochen. Das Workbook gibt es nur hier, nicht über Verlage oder Amazon: Buch + Workbook als Set für 64,99 €.
Von Herzen, Deine Sanja




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