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Fehler mit Jungpferden – und warum er sich wie Liebe anfühlt

30. Aug.
3 Min. Lesezeit
Training mit Jungpferd
Fehler mit Jungpferden vermeiden – klare Regeln von Anfang an

Wenn ich bei Problempferden gerufen werde, die drei oder vier Jahre alt sind, hat die Geschichte fast immer denselben Anfang. Der häufigste Fehler mit Jungpferden passiert nämlich nicht im Roundpen und nicht beim Anreiten – er passiert viel früher, in den unscheinbaren Alltagsmomenten. Und das Tückische: Er fühlt sich überhaupt nicht wie ein Fehler an. Er fühlt sich an wie Liebe.



Fehler mit Jungpferden: Warum Probieren völlig normal ist


Ein junges Pferd kommt nicht mit einem Regelbuch zur Welt. Es lernt, wer es ist und was gilt, indem es Dinge ausprobiert: Es knabbert an deiner Jacke, schiebt sich in deinen Raum, testet, ob es beim Führen stehen bleiben oder losziehen kann. Das ist keine Respektlosigkeit und schon gar keine Dominanz – es sind Fragen. Ein Jungpferd, das probiert, ist ein Jungpferd, das lernt. Jede deiner Reaktionen ist eine Antwort, ob du willst oder nicht.



Der häufigste Fehler: Heute süß, morgen verboten


Und genau hier passiert er, der Fehler: Beim Fohlen ist das Anstupsen niedlich. Das Knabbern an der Jacke – ach, es ist doch noch klein. Das Drängeln am Futter – es hat halt Hunger. Zwei Jahre lang bekommt das junge Pferd auf seine Fragen die Antwort: Ja, das darfst du.


Dann wird das Pferd größer, stärker, schwerer. Aus dem Anstupsen wird ein Schubsen mit 500 Kilo dahinter. Und plötzlich ändert sich alles: Dasselbe Verhalten, das gestern noch süß war, wird heute bestraft. Aus Sicht des Pferdes ist das nicht Erziehung – es ist Willkür. Die Regeln haben sich über Nacht geändert, ohne dass ihm jemand gesagt hätte, warum.


Manche Pferde werden dadurch unsicher und nervös, andere probieren erst recht – und bekommen dann das Etikett „schwierig“ oder „dominant“ angehängt. Dabei haben sie nur genau das gemacht, was ihnen zwei Jahre lang beigebracht wurde.



So gibst du von Anfang an klare Antworten


  • Eine Regel gilt ab Tag eins – unabhängig von der Größe: Was ein 600-Kilo-Pferd nicht darf, darf auch ein Fohlen nicht. Nicht aus Härte, sondern aus Fairness.

  • Antworte ruhig, sofort und immer gleich: Ein Schritt in deinen Raum wird jedes Mal ruhig zurückverwiesen – nicht mal ignoriert, mal bestraft, je nach deiner Tageslaune.

  • Bestrafe keine Fragen, beantworte sie: Ein Jungpferd, das probiert, braucht Klarheit, keine Strafe. Die Antwort heißt: „Nein, das nicht – aber das hier ja.“

  • Kurze Momente statt langer Einheiten: Jungpferde lernen in Sekunden, nicht in Stunden. Der Alltag – Führen, Putzen, Hufe geben – ist das eigentliche Training.

  • Alle ziehen mit: Wenn du konsequent bist, aber die Stallkollegin das Drängeln am Leckerli-Beutel niedlich findet, lernt dein Pferd: Die Regeln hängen vom Menschen ab.



Wenn der Fehler schon passiert ist


Die gute Nachricht: Pferde tragen nicht nach, und sie lernen ihr Leben lang. Ein Dreijähriges, das nie klare Antworten bekommen hat, ist kein verlorenes Pferd – es ist ein Pferd, das seine Fragen jetzt eben etwas größer stellt. Der Weg zurück führt über dieselben Zutaten wie beim Fohlen: ruhige, sofortige, immer gleiche Antworten. Es dauert länger, weil alte Antworten überschrieben werden müssen. Aber es funktioniert – wenn du bei dir anfängst, nicht beim Pferd.


Wie Jungpferde lernen, wer sie sind, was hinter dem Probieren steckt und wie du Führung von Anfang an richtig aufbaust – das liest du in meinem neuen Buch „Wer bewegt wen und warum?“.


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